Kaffee

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Eine merkwürdige Art, Kaffee zu kochen

Also, ich war geographisch im Isaan angekommen, aber bei weitem noch nicht existenziell.

Aber noch kümmert sich meine Frau um mich. Sie kannte ja meinen morgendlichen Kaffeedurst, und so bemühte sie sich. Nach einigem HDörfliche Marktszeneerumfragen hatte sie jemanden gefunden, der mit dem Wort Kaffee etwas anzufangen wußte, und freundlich lächelnde Menschen winkten mir zu, mich zu ihnen zu setzen. IDorfmarktch hörte irgendwie bruchstückhaft das Wort Gafä heraus, und jemand hatte eine Karaffe mit dampfendem Wasser in der Hand. Ich wurde nun Zeuge einer unglaublichen Kaffeezubereitung, und noch heute staune ich irgendwie bei dem Gedanken. Also, das war so:


in einen kleinen Topf mit Henkel wurde eine süße Milch aus der Dose (sah aus und war auch wie die in Deutschland damals wie heute noch käufliche Milchmädchen-gesüßte-Milch-Dose) etwa zu einem Viertel gefüllt. Darüber kam ein engmaschiges Netz mit braunem Pulver. Es roch eigentlich nicht nach Kaffee, soll es aber gewesen sein. Über dieses Netz wurde dann das dampfende Wasser gaaanz langsam gegossen. Nachdem die "Tasse" halb voll war, wurde

per Hand das Netz ausgewrungen und das Ganze dann per Löffel durchgerührt. Immer noch freundlich lächelnd bot man mir dann die Tasse Kaffee an. Ich sah mich vorsichtig um, aber ich konnte auf keinem Gesicht so was wie Schadenfreude erkennen, eher eine gespannte Erwartung. Meine Frau sprach nun eines der wenigen deutschen Worte aus, die sie bis dahin gelernt hatte: "Trink, Schatz". Und auch sie guckte erwartungsvoll, und so setzte ich den Topf / die Tasse an die Lippen und nahm ganz vorsichtig einen achtel Schluck. Ich habe in meiner Bundeswehrzeit eine  Ausbildung zum Einzelkämpfer mitgemacht, wir mußten Würmer essen und Brennnesseltee trinken und das ohne zu Mucken, zu Murren, zu Würgen oder zu Spucken. Aber es war nichts im Vergleich zu diesem Genuß. Ich habe in meinem Leben auch gelernt, mich zu beherrschen, vor allem, wenn es darum geht, die Gefühle anderer nicht zu verletzen. Was mich letztendlich dazu brachte, Kaffee zu trinken, war das Erlebnis mit dem Sam Lor, und daß ich da schon meine Frau an den Rand des Gesichtsverlustet gebracht hatte. Ich bin heute noch stolz auf mich, wie ich die Ehre meiner Frau verteidigt habe.

Wenn Ihr mal nach Roi Et kommt, in die Nähe des Marktes, dann genießt den Kaffee, der dort heute geboten wird. Er unterscheidet sich heutzutage nicht mehr von dem Kaffee, den Ihr in Straßencafes genießen könnt.

Ihr seid aber damit um das Erlebnis Eures Lebens gekommen: The Roi Et Gafä Original 1981.