Queen Sirikit

Sirikit - die Königin an der Seite von Bhumiphol

„Wenn wir die Armut nicht besiegen, wird dieses Land nie Frieden haben", so lautet das Motto der thailändischen Königin, die ihre „Support-Stiftung“ schon Sirikit11976 gründete, um sich der Sorgenkinder Thailands und ihres Handwerks anzunehmen.
Ihre Sorgenkinder, das sind die Bewohner des armen Nordostens, des Isaan, und deren Handwerk ist die Seidenweberei und die Aufzucht von Seidenraupen.
Als 1997 etliche Länder Südostasiens von Finanzhaien in den Ruin getrieben wurden, war ihr erstes Opfer das Königreich Thailand. Der Bath stürzte ab, die Preise von Importwaren schossen nach oben, die gute Laune der jungen Mittelschicht schlug um in Depression. Nachdem sie jahrelang europäische Designerkleidung getragen hatte, zwang die Krise ihren Blick wieder auf erschwingliche einheimische Produkte. Damals schlug die Stunde Sirikits, die, wo immer sie sich aufhält, nur eines trägt: Kleider aus thailändischer Seide. Flugs folgten ihre Untertanen dem leuchtenden Beispiel der überaus populären und beliebten Königin.

Von der Popularität Königin Sirikits können Aristokraten anderswo nur träumen. In der weiten Welt war sie die orientalische Märchenkönigin, 1964 die am besten angezogene Frau der Welt. Daheim ist sie viel, viel mehr: einer Göttin ähnlich.
Wenn sie alljährlich zur Präsentation der schönsten Seidenstoffe Thailands nach Sakhon Nakhon im Nordosten lädt, folgen alle: Industrielle und Bankiers aus Bangkok, Politiker, Verwandte, kurz: die Oberschicht des Landes; dazu Sirikit2australische Modedesigner, US-Botschafter, chinesische Unternehmerinnen, sie alle machen sich im November auf zum Phupan Palast. Unter Papayas und Palmen stehen sie dann in Reih und Glied, werden von Ihrer Majestät landesunüblich per Handschlag begrüßt, machen einen Knicks und dann den Rundgang über den Basar. Unter Zeltdächern bieten hier Weberinnen aus allen Teilen des Landes ihre Waren an: die schönsten Seidenstoffe der ganzen Welt.

Alle thailändischen Modedesigner, die hier ihre Kollektionen präsentieren, wurden in der Pariser Haute Couture ausgebildet. Von einigen Reverenzen an die einheimischeTextilkultur abgesehen, treffen sie also mit ihren Entwürfen den modischen Zeitgeist des Westens - nicht immer den royalen:Die Königin unter ihrem schattigen Baldachin klatscht immer dann heftig, wenn es traditionell in Schnitt und Farbe zugeht Das „Seidenfest" dient der Wiederbelebung eines prachtvollen Handwerks und der Existenzförderung in den armen Provinzen im

Nordosten des Landes. Deren Be-wohner haben mit Dürre und Überschwemmungen zu kämpfen, sie verdienen ihr Geld mit Tabak, Tapioka und Reis- vor allem aber mit Seidenraupen. Es ist noch nicht allzu lange her, da zählte auch Opium aus Schlafmohn dazu, doch das hat sich geändert – dank königlicher Unterstützung.

Die Regierung leistet ihren Teil an Investitionen: In den nächsten drei Jahren werden 3000 Modedesigner ausgebildet und 2000 Designtechniker; die „Bangkok FSirikit3ashion Week" soll sich als globaler Umschlagplatz für internationale Mode etablieren. Die ehrgeizigen Pläne machen Sinn mit Blick auf China. Nach Berechnungen der Welthandelsorganisation wird dieser Nachbar seine Textilexporte in den nächsten zehn Jahren fast vervierfachen - was nicht zum Wohle Thailands ist. Der Blick Thailands wendet sich deshalb zu den Märkten in Amerika und Europa, Auslandskontakte sind erwünscht.

Ausländische Kontakte, dazu zählt Johann Stockhammer, Kreativdirektor der deutschen Traditionsmarke Etienne Aigner, der unter den Gästen des Königshauses ist. Aigner, das ist ein großer Name in Thailand, die Beziehungen zum Königshaus sind über Jahrzehnte gewachsen - Gründe genug, das königliche „Supporte-Projekt zu unterstützen.

„Thailändische Seide“ erklärt der Fachmann aus, „ist etwas härter als chinesische oder indische,aber sie hat einen einzigartig schönenGlanz."

Im Sommer wird also Seide aus dem Mekong-Becken, in Form von Abendtäschchen oder HalstüSirikit4chern, den weiblichen Teil der Münchner Society erfreuen. Für die Haute Couture tauglich seien diese Seiden auf jeden Fall, urteilt Stockhammer, der auf dem Markt schon mehr Stoffbahnen erworben hat, als er tragen kann. Doch für die industrielle Produktion, meint er, seien solche Mengen nicht ausreichend. Die Aufzucht der Seidenraupen -sie müssen wochenlang mit Maulbeerblättern gepäppelt werden - ist mühselig, und das ist einer der Gründe dafür, dass die handwerkliche Seidenweberei nach demZweiten Weltkrieg schon einmal fast von der industriellen Produktion verdrängt wurde. Der Prinz, der das sterbende Handwerk wieder zurück zum Leben brachte, war Jim Thompson, ein Ex-Offizier des CIA. Er öffnete der thailändischen Seidenweberei moderne Märkte, in den Sechzigern avancierte Thai-Silk sogar zum Accessoire des Jet-Sets.

Alle Fotos dieser Seite sind offizielle Hoffotos, veröffentlicht und freigegeben. Das Foto unten rechts
wurde von König Bhumiphol im Garten des Chitralada Palastes aufgenommen.