Studie

Studie über Sextourismus

Mindestens 350.000 und vermutlich deutlich mehr deutsche Sextouristen bumsen sich rund um die Welt. Wer sind diese Männer?

In einer von der damaligen Bundesfrauenministerin Angela Merkel in Auftrag gegebenen Studie (Anm.: ich habe nichts späteres gefunden) wurde herausgefunden, daß Sextouristen Männer jeden Alters sind (jeder vierte ist jünger als 30!) und aus allen sozialen Schichten kommen. Wobei die mit höheren Schulabschlüssen zum Teil in andere Länder fahren als die Real-, Haupt- und Sonderschüler. ( In den 70ern zog es die Gebildeten nach Kenia, heute buchen sie Lateinamerika und die Karibik oder Warschau und Budapest. Die Wahl des Reiseziels hängt auch vom bevorzugten Frauentyp ab.

In den (Männer)- Phantasien der Thailand-Urlauber spukt das "Klischee der unselbständig wirkenden, anpassungsbereiten Kindfrau" herum. Die Kenia-Fans Studie1hingegen lieben eher "selbstbewußte Intitiative", eine "raubkatzenhaft-exotische Erotik" und die "betont weibliche, kurvenreiche" Frau.
Die Merkel-Studie unterscheidet vier "Typen deutscher Prostitutionstouristen".
Da ist zunächst "der Globetrotter". Er ist jung und (angehender) Akademiker, interessiert sich für Sprache und Kultur fremder Länder und sucht stets nach" Regionen, die vom Massentourismus (noch) nicht berührt worden sind. Für ihn ist das "flüchtige Liebesabenteuer" mit einer Prostituierten ein "Kulturkontakterlebnis". Deshalb lehnt er es ab, die Frau für ihre Arbeit zu bezahlen.
Der "genußorientierte Sexkonsument" ist der Typ des "sexuellen Vielfraßes", der sich durch eine "herablassende. vom sexuellen Leistungsdenken geprägte Benutzung der Prostituierten auszeichnet". Als Rechtfertigung kommt oft "eine diffuse Unzufriedenheit mit alltäglichen Beziehungskisten zu Hause zum Vorschein".

Eine Variante dieses Typs, den man auch den Emanzipationsgeschädigten nennen könnte, ist der Machtbesessene oder Sadist: Ihm "erscheint es besonders befriedigend, wenn sexuelle Praktiken gleichzeitig einen Unterwerfungsakt der Prostituierten zum Ausdruck bringen". Eher rar ist der "Unzulängliche". Er hat entweder einen körperlichen oder einen psychischen Defekt, oder er bevorzugt sexuelle Praktiken, die zu Hause strafrechtlich verfolgt werden (zum Beispiel Sex mit Kindern).

Ein weitverbreiteter Typ ist der "Pseudogatte". Er kehrt immer wieder für mehrere Wochen zu derselben Prostituierten zurück. "Manchmal wird auch", so heißt es in der Studie, "ein Scheinritual, eine Pseudoeheschließung oder eine Quasiverbindung mit der Prostituierten veranstaltet." Der vermeintliche Gatte steckt der Frau in Anwesenheit eines Kumpels, der als Trauzeuge füngiert, einen billigen Ring an den Finger.

 Dann unterschreibt er "ein Heiratsdokument", von dem er behauptet, daß es in Deutschland Rechtskraft hat. Der Pseudogatte läßt sich rund um die Uhr bedienen und bezahlt oft in "Naturalien" wie Kleidung und Essen, bisweilen überweist er aus Deutschland kleinere Beträge. Nicht selten ist er treusorgender Gatte und Vater.
Eines haben alle Typen gemeinsam: sie streiten es ab, Sextouristen zu sein. Immer sind es nur die anderen.

1987 geriet die Dominikanische Republik mit einem spektakulären "Unfall" in die Schlagzeilen: In einem Container sollten 60 Studie2Prostituierte nach Übersee verschifft werden. 26 erstickten. Der Inselstaat im Karibischen Meer war damals Renner bei Pauschalreisenden, gleichzeitig ist er heute noch führend im Menschenhandel. Frauen, die im Urlaub Männern gefallen, sind auch daheim eine begehrte "Ware". Schlepperorganisationen, die Prostituierte für Bordelle und Bars im Inland rekrutieren, liefern gleichzeitig ins Ausland.

Nach Schätzungen des Bundeskriminalamtes ist heute jede dritte Prostituierte, die in der Bundesrepublik anschafft, eine Ausländerin. Früher waren es vor allem Thai-Frauen, heute sind es zunehmend Frauen aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Diejenigen  Heiratsvermittlungs- institute in der BRD, die nur Ausländerinnen im Angebot haben, verkauften in den letzten Jahren vorzugsweise Filippinas: "als treue, familienorientierte, streng katholische Ehefrauen".

Als Ehefrauen sind Thailänderinnen beim mitteleuropäischen Mann nicht so gefragt. Sie gelten als  "exotisch-erotische-Orchideengeschöpfe", mit denen man sich lieber im Urlaub oder im heimischer Puff vergnügt. Newcomerinnen im Katalog sind Brasilianerinnen und Frauen aus den ehemaliger Ostblock- Staaten.

Studie3Schon vor 100 Jahren wurden Frauen aus dem Osten unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und in Bordellen oder in der Ehe ausgebeutet. Vor allem jüdische Mädchen aus den galizischen Ghettos, in denen drei Viertel der Juden unter dem Existenzminimum lebten.

Der Kampf gegen diesen Frauenhandel stand schon damals im Zentrum der Aktivitäten der Frauenbewegung - allen voran die militante Feministin und gläubige Jüdin Berthe von Pappenheim. Sie reiste in den Osten, um aufzuklären, sie richtete Anlaufstellen in Bahnhöfen und Häfen ein, wo die junger Frauen strandeten, sie gründete Wohnheime und Mädchenclubs.

Es wird Zeit, daß auch wir wieder damit anfangen.