Eigenbau

Die Thailändische Eisenbahn wird selbst gebaut

Zum 1. September 1896 hatte die Eisenbahnverwaltung dem englischen Unternehmen den Vertrag gekündigt und baute jetzt in eigener Regie weiter. Die Verbindung Bangkok – Korat wurde in diesem Jahr fertiggestellt. Im Dezember dieses Jahres fuhr der König von Bangkok aus mit der Eisenbahn bis zur Bauspitze, um die Arbeiten zu besichtigen. An einer besonders eindrucksvollen Stelle bei km 136,5 schrieb er seinen Namen mit Kreide auf einen Felsen und tat mit einem goldenen Meißen und goldenem Janner die ersten Schläge zu Aushauen. Der Schriftzug ist heute noch, wenn auch stark verwittert, zu sehen.

Im Jahre 1904 übernahm Weiler nach jahrelanger Abwesenheit – er war inzwischen über China und Russland nach Palästina gekommen, wo er die Haifabahn baute – als Generaldirektor die Leitung der siamesischen Bahnen. Die Bahn bis Korat war ja schon fertig, und im Süden war eine Bahnstrecke bis Petchaburi gebaut worden. Allerdings hatte man die Bahnen östlich und westlich des Mae Nam mit verschiedenen Spurweiten gebaut, und das führe natürlich zu erheblichen Schwierigkeiten technischer und auch politischer Art. Es gab bereits einen lebhaften Personenverkehr, allerdings wurden die natrülichen Transportwege auf den Flüssen und Klonghs für den Gütertransport noch vorgezogen. Nun soltle aber der Bahnbau nach Süden und nach Norden weiter vorangetrieben werden. Allerdings war wiederum die größte Schwierigkeit, siamesische Arbeiter zu bekommen, und so entschied der König, chinesische Arbeiter anzuwerben. Auch die Beschaffung von Lokomotiven wurde durch den damals noch absolut herrschenden König angeordnet, und es waren deutsche Firmen wie Henschel & Sohn, Krauß & Co sowie Krupp, die den Hauptanteil an der Lieferung hatten.

1904 war die Nordstrecke schon 78 km lang. Die jährlich vorgesehene Bausumme waren drei Millionen Ticals, und damit sollte die Strecke nach Chiang Mai (damals Chiengmai) bis zum 1. November 1913 fertig gestellt sein. Allerdings war der Bau mit großen politischen, finanziellen und technischen Schwierigkeiten verbunden. Auch wurde der Administration in durchaus heutigem Maßstab Rechnung getragen: 1950 waren 313 Beamte beschäftigt, davon 243 in der Verwaltung und 70 am Bau !!! Deutschland leistete eine Art Entwicklungshilfe dergestalt, daß jährlich 5 junge Siamesen nach Deutschland geschickt wurden, um dort die Schule und das Polytechnikum zu besuchen.

Ende 1906 wollte die siamesische Regierung die Südlinie weiter ausbauen, stieß aber auf heftigen Widerstand der Briten. Diese verlangten nämlich, daß die Bahn unter ihrer Leitung erbaut werden sollte. Dies war jedoch nicht gewollt, und so machte man sich an den Bau der Nordstrecke, die frei von englischem und französischem Einfluß war. Doch dem König wurde es immer schwieriger, sich dem Einfluß der Kolonialmächte zu entziehen. Er besuchte 1907 zum zweiten Male Europa. Bei seinem Aufenthalt in Deutschland schenkte er der Stadt Bad Homburg einen kleinen Pavillion.

Zweck seines Aufenthaltes in Deutschland war der Besuch bei dem deutschen Kaiser Wilhelm II, der für seine Nöte und Sorgen ein offenes Ohr hatte. Bei diesem Besuch wurde der Prinz Paripat zum Chef des Kaiserin-Auguste-Regiments ernannt. Der siamesische Prinz war in Deutschland erzogen worden und diente als Hauptmann bei der kaiserlichen Garde.
Im Jahre 1908 wurde die Bahnlinie nach Paetriu nach Süden und im nOrden bis nach Phitsanuloke fertiggestellt. Im gleichen Jahr feierte König Chulalongkorn sein 40jähriges Thronjubiläum. Neben all den Feierlichkeiten, u.a. der Einweihung seines Denkmals in Bangkok, unternahm er auch eine Bahnfahrt nach Paknam Poh. Eigens für die königliche Abfahrt wurde die Station Sam Sen mit einem klassizistischen Empfangsgebäude erbaut. Der Zug bestand aus neun Wagen, um auch das ganze königliche Gefolge aufnehmen zu können. Auch der königliche Leibarzt, der deutsche Dr. Börger, war natürilich mit von der Partie. Generaladjudant war übrigens Chow Phya Suriwongse, dessen Name immer noch bekannt ist durch die nach ihm benannte Strasse.

Im Frühjahr 1909 wurde die Einstellung  Arbeiten an der Nordlinie beschlossen, das vorläufige Ende war die Einweihung der Phitsanulokelinie im Dezember 1909 durch den Kronprinzen. 1910 wurde in Bangkok der neue am Fluß gelegene Güterbahnhof eröffnet, der direkten Anschluß an die Seeschiffe hatte, die direkt am Bahnhof anlegen konnten.