Anmerkungen zu Ban Nong Waeng

 

Nicht viel hat sich bis heute geändert. Doch, inzwischen ist die Strasse asphaltiert, zwei Telefonhäuschen stehen an der Strasse, inzwischen hat fast jedes Haus einen Farbfernseher und wir dadurch abends weniger Besucher. Bangkok ist nicht mehr so weit weg, es fahren mehr Busse, Roi Et hat inzwischen einen kleinen Flughafen, der zwar nicht immer angeflogen wird, aber er kann. Die Menschen sind die gleichen geblieben. Ich konnte mit dazu beitragen, dass eine Wasserleitung ins Dorf gelegt wurde. Man ist jetzt nicht mehr nur auf die Brunnen angewiesen, denn der Grundwasserspiegel war die ganzen Jahre über gesunken.

Es gibt inzwischen auch mehr Autos, und eine Dorftankstelle rentiert sich ein wenig, mit angeschlossenem Lädchen. Und Khun Waad hat aus Verzweiflung über seine gesunkenen Einnahmen, die nicht mehr für die Familie und die Schulden vom Hausbau ausreichten, Drogen verkauft

Er hatte Glück, er kam nur ins Gefängnis. Inzwischen ist er dort verstorben (2007).

Das Mädchen Nang lebt ebenfalls nicht mehr. Sie hatte nicht nur ein Kind, sondern auch Aids aus Bangkok oder Pattaya mitgebracht.

Das Kind lebt inzwischen bei meiner Familie, geht zur Schule nach Roi Et, ist ausserordentlich aufgeweckt, ein guter Schüler. Er weiss nichts von seiner Mutter, ahnt vielleicht. Irgendwann wird er wissen.
Es gibt immer noch kein Paradies. Und mein Wunsch, dort, genau dort, eben in Baan Nong Waeng, alt zu werden, dort zu leben mit meiner Familie, meinen Freunden, meinen Nachbarn – dieser Wunsch ist der Wiklichkeit gewichen. Wir haben uns inzwischen ein Haus in Korat gekauft, wo ich versuchen werde, große Teile meines Lebens im Alter zu verbringen.

Kurt Singer
im Februar 2010