Ein emotionales Erlebnis in Korat

Ich fahre morgens wie so oft mit dem Song Thaew nach Korat, schlendere über Märkte wie den Amulettmarkt, schaue mir eine Toyota- Ausstellung an. Zum Abkühlen gehe ich wiederholt ins Klang Plaza. Als ich mittags dann Hunger habe entscheide ich mich für Pizza. Es gibt nahe dem Kaufhaus eine Pizzeria, in welchem ich oft auch Einheimische gesehen habe, war aber selbst noch nie dort. Auf dem Weg dorthin fällt mir eine junge Frau auf, die mit ihrem nackten Kind auf dem Schoß auf dem Gehsteig im Schatten sitzend bettelt. Sie sitzt einfach auf einer dünnen Decke am Straßenrand. Auch hier richte ich mich nach dem Verhalten der Thais, und als ich sehe, daß diese etwas gebe, tue ich das auch. Ich lege ihr 10 Baht in die Schale.

Die kleine Pizza, welche ich bestelle, ist SEHR klein und außerdem SEHR teuer, und eigentlich ärgere ich mich zum ersten Mal auf dieser Reise. Ärger über mich, denn sonst wäre ich nach dem Studium der Speisekarte aufgestanden und hätte eben nichts bestellt, Dieses Mal ist es nicht so, denn ein Gedanke beschäftigt mich. Er bohrt in mir und läßt mir einfach keine Ruhe.

Ich habe gestern abend für einen Elefanten 20 Baht gegeben, und diese Frau mit ihrem Kind soll mir nur 10 Baht wert sein? Warum habe ich so entschieden ? War es hier das Erlebnis, die Begegnung mit diesem Tier und dort nur eine Bettlerin? Habe ich Maßstäbe vergessen oder falsch gesetzt ? Ich beschließe, das zu ändern. Die Frau sitzt nur wenige Meter von der Pizzeria entfernt immer noch an der gleichen Stelle,

immer noch das Kind auf ihrem Schoß haltend, im Schatten auf dem Gehweg. Als ich näher komme, schaut sie mich an. Irgendwie scheint mir ein Erkennen in ihren Augen zu liegen, ach, der Farang, der mir etwas gegeben hat. Sie hat vielleicht nicht wahrgenommen, wieviel das war, aber sie hat mit einem Wai gedankt. Sie hatte mir nicht, auch keinem anderen, die Hand entgegengestreckt, sondern einfach nur geschaut, hoffend vielleicht.

Ich bleibe stehen, gebe ihr einen 100-Baht-Schein in die Hand und sage ihr, daß sie ihrem Kind davon etwas kaufen soll. Was Dümmeres fällt mir nicht ein, denn was sollte sie sonst mit dem Geld machen? Der Gedanke an Scheinbettelei kommt beim Anblick dieser Frau und des nackten Kindes überhaupt nicht auf wie manches Mal sonst, besonders in Bangkok. Ihre Augen – ich kann nicht darin lesen, darin bin ich nicht geübt. Aber sie scheinen mir gut, und wenn ich jetzt etwas lesen könnte, dann würde das nur Dankbarkeit sein können, ich bin ganz sicher. Auch dieses Mal bedankt sie sich mit einem Wai, hält vielleicht die Hände ein ganz klein wenig höher. Ich schaue zurück beim Weitergehen. Sie blickt mir nicht nach, sondern sie beugt sich über ihr Kind, sie scheint es zu liebkosen. Nein, kein Gefühl der Zufriedenheit habe ich jetzt, ich fühle mich auch nicht als Wohltäter. Ich glaube nur, dass es gerecht und angemessen war, auch wenn ich nie zuvor einen auch nur annähernd so hohen Betrag einem bettelnden Menschen gegeben habe.

Warum eigentlich nicht?