Eine mächtige Säule der Gesellschaft – die Monarchie. (So war es bisher.)

Bei weitem die wichtigste Stütze der thailändischen Gesellschaft ist die Monarchie als einem Eckpfeiler der nationalen Solidarität. Sie wurde in den letzten Jahren durch die politisch unstabile Situation stark beansprucht.

Die Monarchie ist so alt wie die thailändische Nation selbst. Die thailändische Geschichte berichtet über zahlreiche Siege heldenhafter Krieger-Könige, die zu Rettern und zum Stolze der Nation wurden und ohne deren Taten die thailändische Nation heute vielleicht gar nicht bestünde. Die thailändischen Könige haben im Laufe der Geschichte entscheidend zur Unabhängigkeit, Sicherheit und zum Fortschritt des Landes beigetragen. In der modernen Ära der Chakri-Dynastie erfüllte König Chulalongkom die mühselige Aufgabe, die nationale Souveränität durch brillantes Manövrieren zwischen den Kolonialmächten zu erhalten. Er ist vor allem wegen seiner Modernisierungsprogramme in Erinnerung, die Thailand dazu verhalfen, eine moderne Nation zu werden.

Seit dem 24. Juni 1932, als eine Gruppe im Westen ausgebildeter Offiziere und Beamter (Volkspartei) einen unblutigen Staatsstreich unternahmen, ist Thailand eine konstitutionelle Monarchie.

Staatsoberhaupt ist der König. Er gilt als unverletzlich und ist zumindest der Verfassung nach die über allem und allen stehende Instanz. Ihm obliegt auch der Erlass des sogenannten Königlichen Dekrets, das der Monarch, ohne die Zustimmung des Parlaments einholen zu müssen, selbst in Kraft setzen kann.

Thais empfinden für ihre Königsfamilie eine Hochachtung, die westlichen Besuchern manchmal für das 20. Jahrhundert fast unangemessen erscheinen mögen, und die durchaus religiöse Züge trägt.

Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel die Unterwürfigkeit, mit der selbst thailändische Premierminister oder Militärkommandanten ihrem König begegneten. Alle thailändischen Besucher bei Mitgliedern der Königsfamilie sitzen bei Audienzen stets dem König zu Füssen, auf dem Boden, während der König auf einem Thron oder bei weniger offiziellen Ereignissen auf einem Kanapee sitzt. Wird dem König etwas überreicht, kriecht man quasi auf ihn zu, der Kopf wird eingezogen und das zu Überreichende wird auf Über-Kopf-Höhe gehalten.

Mangelnde Respektbezeugung gegenüber der Königsfamilie ist in Thailand wahrscheinlich der schlimmste Affront, der einem ahnungslosen Touristen unterlaufen kann. Dabei kann ein Tourist einen bösen Fauxpas begehen, ohne dies zu merken.

Denn Respekt muss nicht nur den Mitgliedern der Königsfamilie persönlich, sondern auch allen ihren Porträts bezeugt werden. Dass man mit thailändischen Banknoten nicht verächtlich umgehen darf, weil sie das Konterfei des Königs tragen, kann man inzwischen in fast jedem Reiseführer über das Land nachlesen. Banknoten sollten deshalb nicht zerknittert werden, und wer sie öffentlich zerreisst, zieht nicht nur die Feindschaft derjenigen Thais auf sich, die ihn dabei beobachten, sondern begeht tatsächlich eine Straftat.

Dass man aber auch mit Briefmarken respektvoll umzugehen habe, weil auch diese mit dem Kopf des Königs bedruckt sind, mag sich sogar der Aufmerksamkeit von Ausländern entziehen, die glauben, das Land gut zu kennen.

Die Umwandlung von einer absoluten in eine konstitutionelle Monarchie im Jahre 1932 war die tiefgreifendste Veränderung in der Geschichte der thailändischen Monarchie, aber keineswegs war es der gewaltsamste Wechsel. ( s.a. unter Geschichte)

Wie jede alte Monarchie, so hat auch die thailändische Monarchie ihren Ursprung in der Stammesführerschaft. Gemäss der Erfahrung, dass Stammeshäuptlinge in der Geschichte der Menschheit in der Regel nie so unumschränkt herrschten wie Könige, hatte die Thai-Monarchie in Südostasien ihre Anfänge in Sukhothai mit einer Reihe von ausserordentlich volksnahen Königen. Das Konzept einer absoluten Monarchie wurde von thailändischen Königshäusern

erst etliche hundert Jahre später übernommen, und zwar aus den Khmer-Reichen, die damals von den Thais erobert wurden. Von den Khmers übernahmen die Thais auch die Umgangsformen an Königshöfen und sogar die höfische Sprache.

Von der Sukhothai-Ära bis heute haben in Thailand, bzw. Siam, acht Dynastien geherrscht. Die Übergänge von einer zur nächsten Dynastie waren in der Regel blutig, und meistens war es ein hoher Palastbeamter oder General, der die alte Dynastie stürzte und seine eigene Familie als neue Dynastie einsetzte.

Die gegenwärtige Chakri-Dynastie, die auf eine Palast-Revolte im Jahre 1782 zurückgeht, ist die beständigste der thailändischen Geschichte. König Bhumiphol Adulyadej, der den Thron im Jahre 1946 bestieg (obwohl die Krönung erst im Jahre 1950 stattfand) war der am längsten amtierende König der thailändischen Geschichte (und von 1995 bis 2016 der am längsten amtierende Monarch der Welt). Er verstarb am 13. Oktober 2016.

Die Funktionen des Königs im gegenwärtigen thailändischen Staatswesen werden durch die Verfassung festgelegt. Der König eröffnet die Sitzungen des Parlaments und ernennt den Premierminister (wobei die Auswahl allerdings entweder von politischen Parteien oder vom Militär getroffen wird). Alle Regierungsgewalt wird in seinem Namen ausgeübt. Auf das tatsächliche politische Geschehen hat der König allerdings nur wenig Einfluss. Die Funktion des Staatsoberhaupts ist in Thailand weitgehend symbolischer und zeremonieller Natur.

Das thailändische Adelssystem ist mit europäischen Systemen nur bedingt vergleichbar. Jahrhundertelang war es die Regel, dass thailändische Könige nicht nur mit einer, sondern mit zahlreichen Frauen verheiratet waren. Alle thailändischen Könige des vergangenen Jahrhunderts hatten offiziell über 40 Kinder, und wie der thailändische Geschichts-Professor Rong Syamananda in seinem Buch History of Thailand vermerkt hat, war zum Beispiel König Mongkut mit 39 Frauen und König Chulalongkorn mit 36 Frauen verheiratet.

Trotzdem konnte sich ein legitimer Kronprinz immer nur aus einer bestimmten königlichen Ehe ergeben – einer solchen, in der die Frau vom König offiziell zur Königin erhoben worden war. War eine solche Entscheidung einmal gemacht, war sie normalerweise unumstösslich. Und nur die Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, hatten von Geburt aus den Rang königlicher Prinzen und Prinzessinnen.

Dabei wurde Thailand nie nominell von einer Königin regiert; die Königin war immer nur die Frau des Königs und die Mutter von Prinzen und Prinzessinnen im königlichen Rang, nie aber Herrscherin.

Thailändische Adelstitel, von denen es in einer genauen hierarchischen Abstimmung weniger als 10 gibt, sind nur bedingt vererblich. Normalerweise hatten (haben) Kinder Adliger stets einen Rang, der um eine Stufe niedriger war als der Rang des Vaters, sofern es sich bei der ehelichen Verbindung mit der Mutter um die Hauptehe handelte. Ging das Kind aus einer Nebenehe vor, war der Rang noch niedriger.

Es stand jedoch stets in der Macht thailändischer Könige, Adelstitel nach Gutdünken zu verleihen oder auch wieder abzuerkennen. So stieg denn auch zum Beispiel im 17. Jahrhundert ein griechischer Immigrant in französischen Diensten, Constantine Phaulkon, bis zum höchsten Adelsrang auf. König Narai machte in nacheinander zum Luang Wijayen, zum Phra Wijayen, zum Phaya Wijayen und schliesslich sogar zum Chao Phaya Wijayen. König Narais Nachfolger erkannte Phaulkon jedoch zunächst alle Adelstitel ab und liess den Griechen dann obendrein noch hinrichten.

Wie schon erwähnt, wird die thailändische Königsfamilie in einer besonderen Sprache, dem Rachasap, angesprochen. Das Personalpronomen, das von Nicht-Mitgliedern der königlichen Familie verwendet wird, wenn sie im Gespräch mit Mitgliedern der Königsfamilie über sich selbst reden, lässt sich wörtlich übersetzen als „Ich, der ich nichts als Staub unter Ihren Füssen ist“. Das Rachasap verwendet in grosser Zahl Termini aus der Khmer-Sprache.

Da ich auf meiner Website nur die mir wichtigen „Grundbegriffe“ Thailands aufzeigen und beschreiben möchte, habe ich zum Königshaus auf der Linkseite weitere Informationen zusammengetragen. Bei Interesse sehen Sie gerne dort nach.