Die Geschichte Thailands – die Regierungszeit von König Ramkamhaeng

1275-1297/8

König Ramkhamhaeng der Große (Regierungszeit 1275-1298, beide Daten nicht gesichert)

Der dritte Sohn Sri Indradityas und jüngerer Bruder Ban Muangs, wurde im Jahr 1279 nach dem Tode Ban Muangs der dritte und und bei weitem berühmteste der neun Könige der Phra Ruang Dynastie mit dem Namen Ramkamhaeng. Er ist allerdings nicht der direkte Nachfolger seines Vaters. Sein älterer Bruder Ban Muang regierte in der Zwischenzeit; doch gibt es keine historischen Aufzeichnungen darüber, wann Ban Muang den Thron bestiegen und für wie lange er ihn inne hatte.

Seine Armeen erobern ein Gebiet, das nicht nur in etwa die Fläche des heutigen Thailand umfasst, sondern auch den Osten des heutigen Burma und praktisch die gesamte Malaiische Halbinsel.  Durch eine geschickte Verbindung von Eroberungen, politischen Eheschließungen und diplomatischen Abkommen herrschte Ramkhamhaeng nicht nur über Thais, sondern auch über Burmesen, Mons und Shans im Westen, über Malaien im Süden, und über Khmers und Laoten im Osten.

Das Königreich von Sukhothai erstreckte sich in seiner Blütezeit von Luang Prabang im heutigen Laos über das gesamte obere Tal des Mekong und von Bago, Tavoy und Martaban im heutigen Myanmar, entlang den Ausläufern des westlichen Tenasserim und über das gesamte Becken des Menam Chao Phraya bis hinunter nach Nakhon Sri Thammarat, zur Malayischen Halbinsel im Süden.

1279

Der dritte Sohn Sri Indradityas und jüngerer Bruder Ban Muangs, wurde im Jahr 1279 nach dem Tode Ban Muangs der dritte und und bei weitem berühmteste der neun Könige der Phra Ruang Dynastie mit dem Namen Ramkamhaeng. Er ist allerdings nicht der direkte Nachfolger seines Vaters. Sein älterer Bruder Ban Muang regierte in der Zwischenzeit; doch gibt es keine historischen Aufzeichnungen darüber, wann Ban Muang den Thron bestiegen und für wie lange er ihn inne hatte.

Seine Armeen erobern ein Gebiet, das nicht nur in etwa die Fläche des heutigen Thailand umfasst, sondern auch den Osten des heutigen Burma und praktisch die gesamte Malaiische Halbinsel.  Durch eine geschickte Verbindung von Eroberungen, politischen Eheschließungen und diplomatischen Abkommen herrschte Ramkhamhaeng nicht nur über Thais, sondern auch über Burmesen, Mons und Shans im Westen, über Malaien im Süden, und über Khmers und Laoten im Osten.

Das Königreich von Sukhothai erstreckte sich in seiner Blütezeit von Luang Prabang im heutigen Laos über das gesamte obere Tal des Mekong und von Bago, Tavoy und Martaban im heutigen Myanmar, entlang den Ausläufern des westlichen Tenasserim und über das gesamte Becken des Menam Chao Phraya bis hinunter nach Nakhon Sri Thammarat, zur Malayischen Halbinsel im Süden.

1283

Die Einführung der Tai-Schrift im Jahr 1283, die bis heute in den Grundzügen noch gebräuchlich ist und die König Ramkhamhaeng persönlich zugeschrieben wird, gehört ebenfalls zu den bemerkenswerten Veränderungen. Ramkhamhaeng hatte zweifellos die weitreichende Bedeutung einer gemeinsamen Sprache und Schrift sowohl als Zeichen von Unabhängigkeit und Einheit, aber auch deren Notwendigkeit als Voraussetzung für einen funktionierenden Handel erkannt. Tatsächlich erhielt die Tai-Schrift, eine Weiterentwicklung der Khmer-Schrift, angelehnt an das Sanskrit und das Pali, die beiden im Buddhismus gebräuchlichen Schriften indischen Ursprungs, versehen mit Elementen der Mon-Schrift zu dieser Zeit ihre endgültige Form. Auch in der Alltagssprache fanden in diesem Zeitraum sehr viele Begriffe des Sanskrit und des Pali Eingang.

1287

Ramkamhaeng war Diplomat und Staatsmann

Im Jahr 1287 schloß Ramkhamhaeng ein legendäres Abkommen mit König Mengrai, dem Herrscher des Königreichs von Lan Na und Ngam Muang, dem Herrscher des Königreichs von Phayao. In Chiang Mai erinnert eine Statuengruppe an diesen historischen Moment, die auch der genaue Ort für die Stadtgründung sein soll.

Das Monument von König Ramkam Haeng im Historischen Park von Sukhothai

Ramkhamhaeng und auch seine Nachfolger hielten sich immer an dieses Bündnis und versuchten niemals im weiteren Verlauf der Geschichte, diese Reiche, die ihnen im Norden den Rücken frei hielten, zu erobern. Mit geschickter Diplomatie und Bündnispolitik war es dem Staatsmann Ramkhamhaeng schon zuvor möglich gewesen, dem Königreich von Sukhothai weitere Gebiete einzuverleiben. Ein weiteres Abkommen gab es im Westen mit König Makato von Pegu. Außerdem knüpfte er diplomatische Beziehungen mit China, empfing mehrmals chinesische Abordnungen an seinem Hof und entsandte im Jahr 1294 und 1300 selbst Delegationen nach China. Verschiedene Überlieferungen zufolge soll Ramkhamhaeng selbst an einer dieser Delegationen teilgenommen haben.

Zu den wichtigsten innenpolitischen Unternehmungen Ramkhamhaengs gehörten die schriftliche Abfassung eines Gesetzeskodex, der auf den früheren traditionellen Regelungen, jedoch nun unter Einbeziehung der Rechtsvorstellungen des Theravada Buddhismus beruhte und die Abschaffung der Sklaverei. Ramkhamhaengs Bestreben, dem buddhistischen Ideal und den Anforderungen eines Dhammaraja gerecht zu werden, eines guten und gerechten Herrschers, führten schließlich auch zu der von ihm gewünschten Einigung aller Tais unter dem Theravada Buddhismus als Staatsreligion. Die Könige von Sukhothai waren ernsthaft bemüht, den Menschen entsprechend der buddhistischen Grundsätze des Theravada zu einer Moral aus der Vernunft heraus zu erziehen. Weder Ramkhamhaeng, noch einer seiner Nachfolger, regierte als absolute Herrscher oder gar als göttlicher König wie bei den Khmer. Im Gegenteil gewährte der Staat seinen Bürgern außer einer kaum spürbaren Steuerbelastung sogar weitgehende, einklagbare Freiheiten und Rechte. Wie tief dieses Verständnis von Gemeinschaft und Königtum sich auf die Menschen in Thailand eingeprägt und über die Jahrhunderte erhalten hat, ist auch heute noch zu erkennen, wenn man das Verhältnis der Thailänder zu ihrem Königshaus betrachtet. Insbesondere wird jetzt nach dem Tod von König Bhumiphol dieses innige Verhältnis sichtbar.

1292

Aus dem Jahr 1292 stammt eine berühmt gewordene Steintafel, in die Ramkhamhaeng eine Art Regierungserklärung und eine Beschreibung manangasilabat – der steinerne Thron der Bedingungen im Königreich von Sukhothai eingravieren ließ. Sie gilt heute als eine der wichtigsten Quellen über diese Zeit und zählt ebenso zu den herausragenden Meisterwerken früher siamesischer Literatur.

Zur Zeit des Königs Ramkhamhaeng ist Sukhothai ein Land des Wohlstands und des Überflusses. Die Gewässer sind voller Fische, auf den Feldern gedeiht der Reis. Wer mit Elefanten handeln will, tut dies. Wer mit Pferden handeln will, tut dies. Und wenn ein Bürger dieses Landes ein Anliegen hat, so kann er einfach die Glocke schlagen, die der König vor seinem Palast aufhängen ließ. Sobald König Ramkhamhaeng den Schlag der Glocke hört, kommt er heraus und fragt den Mann nach seinem Anliegen. Er hört sich den Fall an und trifft dann eine gerechte Entscheidung.
Quelle: Englischen Ubersetzung von A. B. Griswold und Prasert Na Nagara im Journal of the Siam Society, Juli 1971.

Ramkhamhaeng soll dieser Inschrift zufolge gerecht und mit Großzügigkeit seinem Volk gegenüber regiert haben. Er wird weniger als Monarch denn als Vater der großen Thaifamilie geschildert (pho khun, „väterlicher Herrscher“).

Die Authenzität der Inschrift ist allerdings seit den1980er Jahren umstritten.

An den Darstellungen in vielen frühen Tempeln kann man auch heute noch erkennen, daß in den Zeiten der Khmerherrschaft in Sukhothai – wie auch in ihren anderen Provinzen – anfangs vorwiegend hinduistische Gottheiten verehrt wurden. Erst zum Ende hin wurde der Brahmanismus dann langsam vom Mahayana Buddhismus abgelöst. Ramkhamhaeng führte schließlich den Theravada Buddhismus in Sukhothai als Staatsreligion ein. Er ließ viele neue Klöster errichten und holte sogar Mönche aus Ceylon nach Sukhothai, um die neue Religion, die auch einen entscheidenden Faktor bei der Einigung des Reiches darstellte, rasch zu verbreiten. Dabei flossen viele noch aus alten Zeiten stammende animistische Traditionen und Vorstellungen, die sich bis dahin erhalten konnten, in den Theravada Buddhismus ein und prägen seine thailändische Variante, weniger in der Lehre selbst, vor allem aber im Bereich der alltäglichen Rituale, bis in die heutige Zeit.

In dieser Zeit mischten sich überlieferte Traditionen, Überzeugungen und gesellschaftliche Strukturen der ursprünglich animistischen und schriftlosen Tai-Völker mit kulturellen Elementen und Einflüssen der Theravada-buddhistischen Mon und der brahmanisch-hinduistischen Khmer. Diese Mischung prägte die kulturelle und soziale Identität der Thai während der folgenden Jahrhunderte und bis in die Gegenwart.