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Der Wat als Unterkunft und Zufluchtsort

Als es noch keine Herbergen oder Hotels gab, hatten Reisende keine anderen Übernachtungsmöglichkeiten als die Klöster, wenn sie nicht bei Verwandten oder Freunden unterkommen konnten. Deshalb wandten sie sich an den Tempel und baten den Abt um Erlaubnis, im Tempel übernachten zu können. Auch heute ist es bei großen Festen so, daß nicht alle in Hotels oder Gasthäusern unterkommen können. Dann werden die Versammlungshallen vieler Tempel als Schlafstätten zur Verfügung gestellt. Aber auch in Notfällen suchen hier Menschen Zuflucht.

Viele Landbewohner schicken ihre Kinder nach Bangkok in die Schule. Da die Versorgung jedoch oft recht teuer ist, suchen diese Jugendlichen in den Tempeln der Stadt Unterkunft. Die als Tempeljungen bekannten Kinder leben mit den Mönchen und sind ihnen bei der täglichen Arbeit wie Waschen, Säubern und der Versorgung behilflich. Die Jungen erhalten dafür nicht nur Unterkunft, sondern auch Essen sowie Unterricht in der buddhistischen Lehre.

Die große Versammlungshalle der Wats dient nicht nur religiösen Zwecken. Sie wird genutzt für die verschiedensten Gelegenheiten: als Versammlungsort für die Bezirksvertreter und Dorfbürgermeister, als Wahllokal, für die Rekrutierung von Wehrpflichtigen, für Treffen von Regierungsbeamten und Dorfbewohnern, für Impfaktionen oder für gesundheitliche Aufklärung wie Empfängnisverhütung. Beamte des Handelsministeriums nehmen den Tempelplatz für den Kauf von Reis oder Tabak oder sonstiger Erzeugnisse zum Garantiepreis oder als Verteilerpunkt für Waren, die zu einem besonders niedrigen Preis verkauft werden.

Auch der Bevölkerung bietet das Wat eine Vielfalt von Nutzungsmöglichkeiten, vor allem auf dem Lande. Die Kinder treffen sich hier in der knappen Freizeit in den frühen Abendstunden zum Fußball oder Takro. An Festtagen werden Jahrmärkte veranstaltet, die fahrbaren Kinos zeigen hier auf riesigen Leinwänden ihre alten Filme, oder es werden Kämpfe im thailändischen Boxstil veranstaltet. Kurzum: das Wat ist nicht nur das religiöse Zentrum, sondern auch ein Ort der Erholung, der Zerstreuung, sie sind Gemeindehaus, Jugendbegegnungsstätte und Sozialstation der Gemeinde.