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Verhalten gegenüber Mönchen

Meist kann der Besucher damit rechnen, daß seine Unkenntnis der thailändischen Höflichkeitsregeln entschuldigt wird, indem man ihn für merkwürdig, im schlimmsten Fall für ungehobelt hält. Im Zusammenhang mit der Religion wird unangemessenes Verhalten jedoch nicht bereitwillig vergessen, und unwillkürliche (oder gar beabsichtigte) Beleidigung dessen, was Thais als geheiligt erachten, könnte dir wirklichen Ärger bereiten. Ein absolutes Tabu ist ungebührliches Verhalten in einem Thai Tempel (Wat).

In bescheidenen Dörfern mag der Wat nur aus einem schlichten Bot bestehen und einem Holzhaus für ein oder zwei Mönche. In größeren Wohnzentren wird der Wat wohl auch eine Sala einschließen, wo sich die Laien zu bestimmten sozialen Anlässen versammeln, zum Beispiel bei Zeremonien wie dem weltlichen Ritual vor der Mönchsweihe, und auch bei Begräbnissen und solch weltlichen Anlässen wie der Stimmabgabe bei Wahlen.

Die Zwanglosigkeit im Wat mag den westlichen, eher christlich geprägten Besucher überraschen, der wohl versucht ist, sich wie in einer Kirche zu verhalten. Er sollte sich bewußt machen, daß die religiöse Andacht im Buddhismus keine gemeindebezogene Angelegenheit ist und die Gläubigen zu jeder Zeit kommen und gehen. Soziales und religiöses Miteinander sind keineswegs klar voneinander unterschieden. Deshalb sollte es den Besucher nicht erstaunen, wenn er entdeckt, daß es im Tempel Leute (auch Mönche) gibt, die Zigaretten rauchen, Tee trinken, Betelnüsse kauen oder während eines Sprechgesangs oder einer Zeremonie verhalten plaudern, währenddessen andere in demütiger Haltung verharren. Auf dem Boden sind überall Spucknäpfe für Zigarettenasche und Speichel verteilt. Und die üblichen Abfalleimer fehlen natürlich auch nicht. Ich habe schon gar nette und lustige Gespräche geführt, besonders, wenn ich unserem Abt mit Hilfe von Bodenzeichnungen, Armbewegungen und Richtungszeigen erklären musste, wo denn Deutschland liege und wie weit es sei. Elf Stunden mit dem Flugzeug – unvorstellbar.

Der Mönch

Vor Mönchen hast du die gleiche Sitzhaltung wie vor Buddha- Ebenbildern einzuhalten, d.h. nicht mit den Füßen auf den Mönch oder die Statue zeigen, sondern in seitlicher Haltung sitzen, die Füsse nach hinten. Allerdings kann auch das ausnahmsweise einmal ausser Kraft gesetzt werden, wenn z.B. Mönch oder Abt sich mit dir fotografieren lassen möchte und du ihnen dann den Rücken zuwendest. Du siehst, mit Genehmigung kannst du sogar den Himmel einstürzen lassen.

Während ihrer Betgesänge sitzen die Mönche in einer Reihe auf einer Plattform, auf diese Weise auch körperlich über die Laien erhaben. Gelegentlich mag man ein Schild vorfinden, auf dem in englischer Sprache steht: „Reserviert für Mönche.“ Meistens wird man jedoch kein solches Signal entdecken. Du darfst dich aber auch dann nicht auf die Plattform setzen oder etwas auf diese stellen, wenn keine Mönche anwesend sind. Gerne kannst du den Gesängen beiwohnen und dich zu jeder Zeit auch wieder davon entfernen aber solange du verweilst, setz dich unbedingt auf den Boden, um niemanden stehend zu überragen.

Der Abt eines Tempels steht an der Spitze der örtlichen Hierarchie und ist ein mächtiger Mann sowohl in der religiösen wie der weltlichen Gemeinde. In seinem Autoritätsbereich sollte nichts ohne seine Kenntnis und Billigung unternommen werden. Wenn du im Tempel photographieren willst, kannst du das in aller Regel tun, erbitte aber zuvor seine Genehmigung. (Natürlich erübrigt sich dies aus einleuchtenden Gründen in den bei den Touristen beliebten Bangkoker Tempeln, es sei denn, es gäbe dort einen ausdrücklichen Verbotshinweis wie im Ubosot des Wat Phra Kheo, wo das Fotografierverbot streng überwacht wird.) Wenn der ausländische Besucher sich dem Abt nähert, muß er nicht das vollständige Respektsritual der dreifachen tiefen Verneigung vollziehen. Aber du solltest dich bis unter seine Körperhöhe verbeugen und dabei die ehrerbietigste Form des Wai zeigen. (s.a.: Der Wai)

Der Mönch, ein geheiligtes Wesen

Denn sich in einem Fahrzeug., insbesondere einem solch gefährlichen wie einem Bangkoker Bus, ein Mönch befindet, so erhöht dies angeblich die Sicherheit. Während der demokratischen Revolte von 1973 fuhr eine Gruppe von Mönchen aufrecht in einem offenen Wagen stehend langsam die Rajdamnoen Avenue hinab mitten durch die Feuerlinie zwischen Polizei und revolutionären Studenten. Sie blieben unverletzt. Der Mönch ist das geheiligteste aller Lebewesen. Es gibt kein schlimmeres Vergehen in der Welt, als einen Mönch zu töten, selbst wenn es nur ein Unfall war.

Du begegnest einem Mönch

Du wirst Mönchen nicht nur im Tempel begegnen, sondern allerorten. In Bangkok scheinen viele von ihnen Englisch zu lernen, und nahezu alle von diesen wären wohl froh, mit dir ein wenig plaudern zu können. Aber ihr Englisch wird wahrscheinlich sehr schulbuchhaft und einfach sein. Wenn ein lächelnder junger Mönch dich mit „Good morning, Sir!“ grüßt (und dies geschieht ohne Unterlaß!), mag dies anmuten wie die Freundlichkeit des Portiers eines teuren Hotels. Aber bitte denke daran, daß es sich hier um ein sprachlich-kulturelles Mißverständnis handelt, denn es hat noch niemand ein Englisch-Lehrbuch für so hochgeachtete Menschen wie Mönche verfaßt. Du kannst dich ohne Bedenken ganz ungezwungen mit einem Mönch unterhalten und sogar Adressen austauschen. Doch beim Abschied wäre es sicherlich nicht angebracht, seine Hand zu ergreifen und herzlich zu schütteln. Jetzt muß dir klar sein, daß ein Wai angebracht ist.

 

Frauen

Frauen stellen für Mönche ein heikles Problem dar. Denn man erwartet von ihnen, sich Frauen, sofern sie überhaupt an diese denken, höchstens als eine Ansammlung von Haut und Knochen vorzustellen. Dieses Häufchen Haut und Knochen sollte möglichst großen Abstand von Mönchen wahren selbst wenn es deren Mutter oder Verlobte ist. Es ist für Frauen absolut tabu, einen Mönch oder seine Robe zu berühren. Dies würde ihn zu langwierigen Reinigungsritualen zwingen. Es ist für Frauen weiterhin tabu, einem Mönch etwas unmittelbar zu übergeben. Der Gegenstand sollte durch einen Mann übermIttelt, so auf den Boden gestellt werden, daß der Mönch ihn aufheben kann, in seine Gabenschale gelegt oder auf das Stück gelben Tuchs gelegt werden, das der Mönch zu diesem Zweck bereit hält. Allerdings habe ich es erlebt, dass der Abt unseres Klosters meinen Reiseteilnehmerinnen persönlich den Sai Sin angelegt hat und somit die Frauen auch berührt hat. Ich denke, dass mit dem notwendigen geistigen Abstand zumindest der Abt so handeln darf.

Du wirst bemerken, daß Mönche auf der hintersten Sitzreihe eines Busses Platz nehmen; deshalb sollten Frauen sich dort nicht niederlassen. Wenn ein Mönch einen überfüllten Bangkoker Bus besteigt, wird ihm ein Platz auf dieser Sitzbank freigemacht. Der bedauernswerten Nonne wird ein solches Privileg allerdings nicht zuteil sie muß wie alle anderen darum kämpfen. Und hier müssen die Mönche dann sogar vom Armutsgelübde, kein Geld zu besitzen, Abstand nehmen, denn die Busfahrt müssen sie schon bezahlen.