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Die Rolle der Frau im Thailändischen Buddhismus

Anders als in Myanmar und Sri Lanka, hat sich die Theravada-Bhikkhuni- (Frauen-) Tradition in Thailand nie etabliert. Die Mönche halten an einem Dogma fest. Frauen, sagen sie, müssen von ordinierten Frauen geweiht werden. Die aber habe es in Thailand nun mal nie gegeben. Frauen im Tempel dürfen deshalb nur weiß tragen, die Farbe der nicht geweihten. Als Arbeitskräfte sind sie willkommen. Sie leben für den Buddha genau wie die Mönche. Doch deren Status haben sie nicht. Die Frauen dürfen keine Almosen sammeln. Sie leben von dem, was die Mönche ihnen geben. In der Tempelhierarchie ist ihr Platz unten.

Jüngst erfolgte Bemühungen, die Bhikkhuni-Tradition nach dem Vorbild Sri Lankas als einen Schritt zur Verbesserung der Position der Frau in den thailändischen Buddhismus einzuführen, erfuhren – anders als vergleichbare Veränderungen im Nachbarland – heftigen Widerstand. Frauen, die eine Ordination anstrebten, klagte man des Versuchs an, Mönche fälschlich nachzuahmen (in Thailand ein Delikt); ihre Aktivitäten wurden von zahlreichen Mitgliedern der geistlichen Hierarchie verurteilt.

Chatsumarn Kabilsingh ist die erste Thailänderin, die entgegen der thailändischen Tradition ein geweihter Mönch ist, allerdings vom Theravada-Orden in Sri Lanka ordiniert . Damit hat sie wie eine „Guerilla-Kämpferin“ die Revolution von außen ins Land getragen. Sie hat Religion in den USA studiert und in Thailand unterrichtet. Die Professorin ist eine anerkannte Gelehrte.
Nach ihrer Rückkehr sorgt sie in Thailand für eine Geschlechterdebatte. Ihr Coup provoziert den thailändischen Sangha. Die konservativen Mönche bestehen darauf, dass nur Männer die höchste Weihe erhalten und die safrangelbe bis orange Kutte tragen dürfen. Ein Streit vergleichbar mit der Diskussion um Frauen im katholischen Priesteramt ist neu entbrannt.

„Die Männer haben kein Recht, mir die Kutte zu nehmen“.

Chatsumarn Kabilsingh hat sich für den Buddha die Haare geschoren. Schönheit zählt nicht mehr. Nur die farbige Kutte, die ist Chatsumarn Kabilsingh wichtig. Denn sie zeigt, dass sie ein weiblicher Mönch ist und nicht einfach eine Nonne. Sie will den Status der Männer und dazu gehört der Stoff, den Frauen angeblich nicht einmal berühren dürfen.

„Diese Kutte wurde mir von dem Buddha gegeben“, erklärt Thailands erster weiblicher Mönch in fließendem Englisch. „Die Männer haben kein Recht, mir die Kutte zu nehmen. Keine Seite sollte hier der anderen etwas vorschreiben. Uns allen wurde dieses Gewand von dem Buddha gegeben“

Der Haupteinwand gegen eine Wiedereinführung eines Frauenordens besteht darin, dass die Klosterregel die Anwesenheit von jeweils fünf ordinierten Mönchen und Nonnen für jede Bhikkhuni-Ordination erfordert. Ohne solch ein Quorum sei es nach den Kritikern unmöglich, neue Theravada-Bhikkhuni zu ordinieren. Die thailändische Hierarchie lehnt die Anerkennung der Ordination in der taiwanesischen Tradition ab und beruft sich auf Unterschiede in philosophischen Lehren und (schwerwiegender) der klösterlichen Disziplin.

Dr. Jochen Lengerke hat auf seiner Website (auf die ich mehrfach verwiesen habe) die Stellung der Frau im Buddhismus kritisch untersucht.