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Das ist die Lehre des Buddha

“Amatam adhigatam” sagte der Buddha, “das Unsterbliche ist gefunden”. Diese Worte beschreiben das Programm seiner Lehre, das Programm seiner gesamten Lehrtätigkeit. Und die ersten fünf seiner Zuhörer, seiner Jünger, sie verstanden es: “Kinci samudayadhamman sabbam tam nirodhadhammam” – “Alles was entsteht, muß wieder vergehen”.

Links: das Rad der Lehre aus dem Buddha Museum Traben-Trarbach

“ Amatam, das Unsterbliche, ist also nicht „ewiges Leben“, denn alles Leben ist Entstehen und Vergehen. Leben und Sterben gehören zusammen, sind nicht voneinander zu trennen. Darum ist Leben notwendigerweise unvollkommen, notwendigerweise mit dem Leid der Vergänglichkeit verbunden. Das Leben als Ganzes mag ohne Anfang und ohne Ende sein, das Leben des Einzelwesens ist durch Geburt und Tod begrenzt; es entsteht, und deshalb muß es auch vergehen, auf den Tod aber folgt neues Leben, das wieder mit dem Tode endigt. Das war die herrschende Meinung der Brahmanen und die feste Überzeugung aller, die zu dem Buddha kamen.

„Dem Geborenen ist der Tod gewiß,
gewiß ist die Geburt dem Sterbenden“

Das ganze System des Buddhismus beruht auf zwei Grundsätzen:

  • Leben ist Leiden.
  • Gehe stets den Pfad der Mitte

Das sind die beiden Grundpfeiler, auf denen der riesige Gedankenkomplex des Buddhismus ruht.

Der Buddha gab diesen Grundpfeilern in seinen vier edlen Wahrheiten Ausdruck:

1. Die Wahrheit vom Leiden

Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden: Geburt ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden, mit Unlieben vereint sein ist Leiden, von Lieben getrennt sein ist Leiden, nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden.

2. Die Wahrheit von der Entstehung des Leidens

Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Entstehung des Leidens: Es ist diese Sucht, die von Wiedergeburt zu Wiedergeburt führt, die von Lust und Leidenschaft begleitete.

3. Die Vernichtung des Leidens

Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Die restlose Vernichtung eben dieser Sucht, das Verlassen, das Sichlosmachen, die Befreiung, die Erlösung von ihr.

4. Die Wahrheit des zur Vernichtung des Leidens führenden Weges.

Dies, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit von dem Weg, der hinführt zur Aufhebung des Leidens: Es ist der heilige, achtteilige Pfad, der da besteht

  • in rechtem Erkennen
  • rechtem Entschließen
  • rechter Rede
  • rechtem Tun
  • rechtem Leben
  • rechtem Streben
  • rechtem Gedenken
  • rechtem Sichversenken.

Dieser achtteilige Pfad ist der Pfad der Mitte. Wer das Leiden besiegt hat, dem hat sich die Lehre des Buddha erfüllt; sein Ziel ist erreicht. Dieser Pfad führt zum Nirwana.

Das Nirwana ist die absolute ‚ Seelenruhe und Glückseligkeit, beruhend auf dem Wegfall des Gefühls der Existenz. Das Wort bedeutet in der Sprache des Buddha soviel wie „Ausgelöschtwerden“. Dieses Ziel der buddhistischen Lehre, das dem Leiden ein Ende setzt, ist im Unterschied zu anderen Religionssystemen auch ohne Gnadenakt erreichbar; es ist lehr- und erlernbar.
Nirwana bedeutet nichts anderes als einen Zustand völliger Wunschfreiheit. Zusammenfassend: „Nirwana“ besagt, daß wir jenes Empfinden, das uns bisher leiden machte, das wir als Leiden gefühlt und erkannt halten, nun nicht mehr als solches erkennen.

Die Frage aller Fragen: „Gibt es ein (nicht wünschenswertes) Weiterleben?“ treffen wir auch im Buddhismus an. Der Leib ist zwar sterblich – das Leben verläßt ihn, um in die Ewigkeit einzugehen. Leben ist ohne Anfang und ohne Ende – es währt ewig. Aus der Vorstellung, daß das Leben ewig ist, der Mensch also schon vor seiner Geburt existierte, entstand folgerichtig die Lehre von der Seelenwanderung (Brahmaismus) und die Lehre vom Kreislauf der Wiedergeburten (Buddhismus). Der Buddhismus kennt den Begriff der Seele nicht. Sie wird ersetzt durch das Karma, das am ehesten vielleicht mit Schicksal übersetzt wird.

Kharma ist das gerechte, ausgleichende Schicksal. Es ist die Kraft, welche aus der Aktion die Reaktion entstehen läßt, welche aus dem schon bestehenden Leben immer wieder in nie versiegendem Strom neues Leben hervorgehen lässt. Den christlichen Moralsatz: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ kennt auch der Buddhismus, nur in einer anderen Form. Der Buddhist begnügt sich nicht damit, daß ihm das Gesetz vorgeschrieben ist, nach dem er leben soll. Er verlangt auch Gründe dafür.

Das Leiden, das dem Leben als gleichbedeutend gilt, zu überwinden: darauf lenkt er all seine Kraft. Sich aus dem Leiden zu retten, ist sein Ziel. Egoistisch, aber menschlich. Dann aber, wenn es ihm gelungen ist, denkt er auch an die anderen. Dieses Denken an andere vollzieht sich durchaus automatisch. Nun liebt er seinen Nächsten; nicht, weil es ihm vorgeschrieben wurde, sondern weil er nicht anders kann. Er, der gelitten hat, weiß, warum er dem Nächsten nach Möglichkeit das Leiden erleichtern hilft. Nicht, weil er Lohn erhofft, sondern weil er den Lohn in der Tat selbst schon empfängt.