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Die Ausfahrten des Siddharta

Ein legendenhafter Bericht über das Leben Buddhas, rund ein Jahrtausend nach dessen Tod verfasst, beschreibt die Wandlung des im Luxus lebenden Prinzen hin zum Sucher nach einem neuen Glauben in den „Vier Ausfahrten“. Dabei sind diese Berichte nicht wörtlich im Sinne von erleben zu sehen, sondern im Sinne von Erfahrung.
Siddharta hatte einmal im Alter von 29 Jahren die Lust überkommen, einen Park vor den Toren der Stadt zu besuchen.Im Pferdegespann ließ er sich fahren, begleitet nur von seinem Wagenlenker. Da habe er erstmals einen Greis erblickt. Erschrocken fragte der Prinz seinen Diener, wer diese gebeugte, grauhaarige, zahnlose Gestalt sei – und erhielt zur Antwort: ein alter Mann.

Auf drei weiteren Ausfahrten, so die Legende weiter, habe Siddharta in ähnlicher Weise einen Kranken, einen Toten und einen Mönch gesehen. Diese Erlebnisse hätten ihm die Augen geöffnet für die Vergänglichkeit aller Dinge – und ihm zugleich einen Weg gewiesen, sich dieser Vergänglichkeit zu stellen. Noch in der Nacht nach seiner vierten Ausfahrt habe er seine Familie, den Palast und seine Heimat verlassen, um als Asket sinnsuchend durch das Land zu ziehen.

Tatsächlich jedoch quälen den jungen Fürstensohn wohl schon länger Gedanken über das Leid. Denn im Pali-Kanon ist eine Rede Buddhas an seine Anhänger überliefert, in der er Folgendes berichtet: „In solchem Wohlleben kam mir der Gedanke: , Wahrlich, der naive Weitung, selber dem Alter unterworfen, ist angeekelt, wenn er einen Alten sieht. Doch auch ich bin ja dem Alter unterworfen, kann ihm nicht entgehen.'“ Ähnliches erzählt er auch von Krankheit und Tod.

Und so wird er sich wohl schon als Jugendlicher ungewöhnlich intensiv mit solchen Gedanken gequält haben – zumal er irgendwann keineswegs nur mehr weltabgeschieden in seinem Palast lebt. Der Prinz hat vermutlich, das zumindest legen seine späteren Gleichnisse aus deren Alltag nahe, mit Geldverleihern, Färbern oder Elefantenlenkern gesprochen und ihr Handwerk recht genau studiert.